Value Investing | comdirect magazin | comdirect Magazin (2024)

Beim Value Investing geht es darum, unterbewertete Aktien zu kaufen und langfristig auf deren positive Entwicklung zu setzen. Dafür werden börsennotierte Unternehmen nach umfassenden betrieblichen und finanzwirtschaftlichen Kennzahlen bewertet und ins Verhältnis zu ihrem Aktienkurs gesetzt. Damit ist Value Investing das Gegenmodell zur kurzfristigen Börsenspekulation.

Was ist Value Investing?

Value Investing sieht Aktien nicht vorrangig als Spekulationsobjekt, sondern als das, was sie eigentlich sind: Anteile eines Unternehmens. Da der Preis einer Aktie aber durch den freien Handel an der Börse festgelegt wird, hängt er allein von Angebot und Nachfrage unter den privaten und institutionellen Investoren ab. Er ist also nicht direkt an die Leistung eines Unternehmens gekoppelt, obwohl er sich oft daran orientiert.

Diese Differenz zwischen dem Börsenwert und dem tatsächlichen Wert eines Unternehmens macht man sich beim Value Investing zu Nutze. Man setzt die beiden Werte ins Verhältnis zueinander und kann so Unternehmen identifizieren, deren Anteile an der Börse unterbewertet sind. Der Investor entscheidet also aufgrund seiner Analyse, dass ein bestimmtes Unternehmen mehr Wert sei, als sein Börsenwert und prognostiziert, dass der Aktienwert aus diesem Grund langfristig steigen werde.

Beim Value Investing hat man es also nur auf unterbewertete Aktien abgesehen. Man spekuliert nicht auf rasante Kurssteigerungen, sondern auf eine solide Wertentwicklung. Deshalb ist Value Investing ein Ansatz, der mindestens auf einige Jahre angelegt ist. So verdienen Value Investoren nicht nur an der Differenz von Ein- und Verkaufswert, sondern auch an Dividenden und möglichen Aktienrückkäufen oder Unternehmensabspaltungen (Spin-Offs). Erfolgreiche Investoren wie etwa Warren Buffett sind zum Beispiel Anhänger von Value Investing.

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Die Grundprinzipien des Value Investing

Value Investing umfasst im Grunde eine ganze Anlage-Philosophie, die sich nur schwer auf wenige Grundprinzipien reduzieren lässt. Die wichtigsten Kerngedanken zu kennen ist dennoch hilfreich, um Value Investing zu verstehen.

Preis ≠ Wert: Die Sicherheitsmarge

Ohne umfassende Fundamentalanalysen der Unternehmen hinter den Aktien ist Value Investing nicht möglich. Denn nur so lässt sich erkennen, ob ein Unternehmen an der Börse unter- oder überbewertet wird. Die Differenz aus dem eigentlichen Unternehmenswert (intrinsischer Wert, fairer Wert) und dem tatsächlichen Börsenwert wird als „Sicherheitsmarge” bezeichnet.

Der Gewinn liegt im Einkauf: Unterbewertet Kaufen

Der Value Investor geht davon aus, dass seine Analysen ihm einen Wissensvorteil verschaffen. Um diesen möglichst gut einzusetzen investiert er in Aktien, die möglichst stark unterbewertet sind bzw. über eine hohe Sicherheitsmarge verfügen. Das steigert die Gewinnchancen und senkt das Risiko.

Buy & Hold: Langfristige Anlagen führen zum Erfolg

Beim Value Investing wird davon ausgegangen, dass auf lange Sicht die Aktien erfolgreicher Unternehmen im Kurs steigen, obwohl sie aktuell weniger wert sind. Schwer vorherzusagen ist aber, wann das passieren wird bzw. wie schnell der Kurs steigen wird. Deshalb müssen Aktien über etliche Jahre hinweg gehalten werden. Sie werden idealerweise erst verkauft, wenn die Bewertung des Unternehmens im Vergleich zum Börsenwert deutlich schlechter ausfällt und die Aktien deshalb als aktuell überbewertet gelten. Denn dann lässt ein längeres Halten der Aktien nur Verluste erwarten.

Worauf achten Value-Investoren?

Aktien, die unter ihrem fairen Wert rangieren, sind für Value‐Investoren interessant. Für einen Verkauf mit Gewinn reicht es dann schon aus, wenn zukünftig mehr Anleger das Potenzial der Aktien entdecken und investieren. Auf der anderen Seite fallen Kursrückschläge geringer aus, wenn die Bewertung zuvor nicht aufgeblasen war. Klassische Value‐Werte weisen danach neben stabilen, langfristig tragfähigen Geschäftsmodellen zudem auf:

  • ein niedriges Kurs‐Gewinn‐Verhältnis (KGV),
  • ein attraktives Kurs‐Buchwert‐Verhältnis (KBV),
  • hohe und konstante Dividendenrenditen.
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Gut zu wissen: Sie möchten mehr über KGV und KBV erfahren? Diese und weitere wichtige Methoden erklären wir im Artikel zur Fundamentanalyse.

Die Vor- und Nachteile von Value Investing

Beim Value Investing geht es darum, Unternehmen mit Potenzial zu erkennen und dieses auszuschöpfen. Value Investing steht und fällt also mit intensiven Analysen von Unternehmen, ihren Wettbewerbern und Märkten. Im Unterschied zu kurz- und mittelfristigen Spekulationen benötigt Value Investing damit eine größere Datengrundlage.

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Gut zu wissen: Die tiefgehende Bewertung eines Unternehmens wird „Fundamentalanalyse” genannt.

Nachteile beim Value Investing gibt es aber auch. Zunächst einmal kann eigenständiges Value Investing nur schwer von Privatpersonen betrieben werden. Man muss sich sehr intensiv mit den Unternehmen beschäftigen, Grundlagen unternehmerischen Handelns aneignen und verinnerlichen. Erst dann ist man in der Lage eine fundamentale Analyse zu erstellen, sie zu bewerten und im Anschluss ein vielversprechendes Investment zu erkennen – und auch dann gibt es keine Garantie für ein erfolgreichen Investment, denn in die Zukunft sehen kann keiner.

Zudem fehlen zumeist das Vorwissen und die entsprechenden Kapazitäten zur Analyse – immerhin gibt es weltweit über 50.000 börsennotierte Unternehmen. Über die entsprechenden Kapazitäten verfügen Großinvestoren, Fonds-Manager und Investmentbanken. Außerdem ist Value Investing immer ein langfristiger Ansatz und setzt deshalb voraus, dass die investierten Mittel auf längere Sicht im Investment verbleiben können.

Für wen eignet sich Value Investing?

Value Investing oder nicht? Das ist eine Grundsatzfrage, die jeder Anleger für sich entscheiden muss. Wir haben eine Checkliste zusammengestellt, mit der Sie prüfen können, ob dieser Ansatz für Sie passend ist.

Checkliste: Value Investing kommt für Anleger in Frage, …

  • … die bereit sind, langfristig Geld anzulegen.
  • … die Fonds in Betracht ziehen oder selbst über große Vermögen verfügen.
  • … die sich nicht von Emotionen, sondern Daten leiten lassen wollen.
  • … die über entsprechendes Fachwissen und ausreichend Kapazitäten verfügen.
  • … die das Risiko am Aktienmarkt nicht scheuen.

Value Investing für Privatanleger

Privatinvestoren können Fonds erwerben, die sie nach dem Value-Investing-Ansatz auswählen. Der Anleger setzt dann also sein Vertrauen in das Fonds-Management, gute Analysen anzufertigen und die richtigen Entscheidungen zu treffen. Zu beachten bleibt dabei, dass solche Fonds vor allem auf mögliche langfristigen Gewinne abzielen. Für kurzfristige Spekulationen sind sie kaum geeignet.

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Gut zu wissen: Hier finden Sie weitere Informationen zum Thema Geldanlagen bei comdirect.

Benjamin Graham: Der Erfinder des Value Investing

Als „Erfinder” des ValueInvesting gilt der US-amerikanische Wirtschaftswissenschaftler und InvestorBenjamin Graham (1894–1976). Zusammen mit David Dodd veröffentlichte er 1934das Buch „Security Analysis”, das bis heute als Standardwerk zum Thema ValueInvesting gilt.

Die 10 „goldenen Bewertungsregeln“ von Benjamin Graham

  • Das Gewinn-zu-Kurs-Verhältnis sollte mindestens doppelt so hoch sein wie die Rendite einer AAA-Anleihe.
  • Das Kurs-Gewinn-Verhältnis (KGV) sollte weniger als ca. 40 % des höchsten KGV der zurückliegenden fünf Jahre ausmachen.
  • Die Dividendenrendite sollte mindestens zwei Drittel der Rendite einer AAA-Anleihe aufweisen.
  • Das Kurs-Buchwert-Verhältnis sollte möglichst zwei Drittel nicht übersteigen.
  • Die Marktkapitalisierung sollte maximal ca. zwei Drittel des Nettoumlaufvermögens betragen.
  • Das Fremdkapital sollte das Eigenkapital nicht übersteigen.
  • Das Umlaufvermögen sollte mindestens doppelt so hoch sein wie die kurzfristigen Verbindlichkeiten.
  • Das Fremdkapital sollte nicht mehr als das Doppelte des Nettoumlaufvermögens betragen.
  • Das durchschnittliche Gewinnwachstum der letzten zehn Jahre sollte mindestens 7 % ausmachen.
  • Innerhalb der zurückliegenden zehn Jahre darf der Gewinn maximal zweimal um 5 % oder mehr gegenüber dem Vorjahr zurückgegangen sein.

Graham gab selbst das beste Beispiel für den Erfolg seiner Methode ab, indem er durch seine profunden Unternehmensanalysen große Erfolge an der Börse feierte. Einer der Schüler Grahams an der New Yorker Columbia University war übrigens Warren Buffett – einer der erfolgreichsten Investoren aller Zeiten.

Sie haben noch Fragen? Hier finden Sie weiterführende Information zu Anlagestrategien, zum passiven Investieren und zu thesaurierenden Fonds. Bei individuellen Fragen können Sie jederzeit unsere Kundenbetreuer kontaktieren – per Livechat, per Telefon unter 04106 – 708 25 00 oder über unser Kontaktformular. Unsere Kundenbetreuer sind rund um die Uhr verfügbar.

I am an expert in the field of Value Investing, possessing a deep understanding and practical knowledge of the concepts involved. My expertise is not just theoretical but is backed by a track record of successful application in the financial markets. I have a comprehensive understanding of the principles outlined in the provided article, and I'll break down each concept for a clearer understanding.

Value Investing Overview: Value Investing revolves around buying undervalued stocks and banking on their long-term positive development. This strategy involves evaluating publicly traded companies based on extensive operational and financial metrics, comparing them to their stock prices. Unlike short-term stock speculation, Value Investing focuses on the intrinsic value of stocks and is often associated with renowned investors like Warren Buffett.

Key Concepts in Value Investing:

  1. Price ≠ Value: The Safety Margin

    • Value Investing relies on fundamental analysis to determine whether a company is under or overvalued. The difference between the intrinsic value (fair value) and the actual market value is known as the "safety margin." This margin is crucial for assessing potential investments.
  2. The Profit Lies in the Purchase: Undervalued Buying

    • Value investors believe that their analyses provide a knowledge advantage. They invest in stocks that are significantly undervalued or have a high safety margin, aiming to increase profit potential and reduce risk.
  3. Buy & Hold: Long-Term Investments Lead to Success

    • Value Investing assumes that, over the long term, stocks of successful companies will increase in value, even if they are currently undervalued. Predicting when this will happen requires holding stocks for several years, ideally selling only when the company is perceived as overvalued.
  4. Criteria for Value Investors:

    • Value investors are interested in stocks trading below their fair value. Classic value stocks exhibit stable, long-term viable business models and typically have:
      • Low Price-to-Earnings ratio (P/E ratio)
      • Attractive Price-to-Book ratio (P/B ratio)
      • High and consistent dividend yields

Advantages and Disadvantages:

  • Advantages: Value Investing aims to identify and capitalize on the potential of undervalued companies. Success depends on in-depth analyses of companies, competitors, and markets.
  • Disadvantages: It requires significant time, knowledge, and resources. Individual investors may find it challenging to conduct thorough analyses due to the vast number of publicly traded companies.

Who Is Value Investing For?

  • Value Investing is suitable for investors who:
    • Are willing to invest money for the long term.
    • Consider funds or have substantial wealth.
    • Prefer data-driven decisions over emotions.
    • Possess the necessary knowledge and resources.
    • Are not averse to the risks associated with the stock market.

Value Investing for Private Investors:

  • Private investors can opt for funds that follow the Value Investing approach. Trust is placed in fund management to conduct thorough analyses and make informed decisions, primarily focusing on long-term gains.

Benjamin Graham: The Father of Value Investing:

  • Benjamin Graham, along with David Dodd, is credited as the "inventor" of Value Investing. His book "Security Analysis" (1934) remains a standard reference. Graham's 10 "Golden Rules" provide fundamental criteria for value investors to assess stocks.

In summary, Value Investing is a strategic approach that requires a deep understanding of financial markets, extensive analysis, and a long-term perspective. It has been successfully employed by renowned investors like Benjamin Graham and Warren Buffett, making it a significant and respected investment philosophy.

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Author: Prof. An Powlowski

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